Eine Funk-Fernbedienung          

von Marc Rößler   

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Kürzlich habe ich mir für ein Bastelprojekt bei Pollin das "Sortiment Fernbedienungen" bestellt: 10 Stück für nicht mal einen Euro. https://www.pollin.de/p/sortiment-fernbedienungen-800184 Enthalten waren verschiedene Ausführungen, die meisten doppelt. Eine der Ausführungen war für mein Projekt mechanisch nicht brauchbar, daher habe ich sie gleich mal zerlegt.



Eine erste Überraschung: Das ist ja gar keine Infrarot-Fernbedienung, sondern eine Funkfernbedienung! Es gibt zwar ein IR-Fensterchen vorne, es ist aber keine IR-LED verbaut. Auch Leiterbahnen für die LED sind zwar vorhanden, die LED ist aber nicht bestückt. So genügt offensichtlich eine  Platinen- und Gehäuseversion für verschiedene Versionen der Fernbedienung. Statt der Sende-LED war ein kleines Funkmodul verbaut, das sich gut auslöten ließ. Die Anschlüsse waren sogar beschriftet (Sig, GND, V+), und dem SAW-Resonator nach ist es ein 433 MHz-Sender. Optimal, das Sortiment hat sich bereits gelohnt!



Ein letzter Blick auf die nun schon recht leere Fernbedienungsplatine: In der Mitte sitzt eine kleine 3mm-LED mit auffälliger Beschaltung, darunter eine kleine Induktivität. Was es damit wohl auf sich hat? Ein Joule-Thief, der sich möglicherweise wiederverwenden lässt?







Leider nicht ganz, aber schon nahe dran. Die LED ist parallel zur Induktivität L1 geschaltet, und wird (falsch gepolt!) über einen NPN- Transistor mit der Versorgungsspannung (3V) verbunden. Ein 3,3-Ohm- Widerstand bremst den Strom durch die Induktivität etwas. Eine falsch gepolte LED, wie soll das denn funktionieren? Ganz einfach: bei durchgeschaltetem Transistor baut sich in L1 ein Magnetfeld auf. Beim plötzlichen Abschalten bricht das Magnetfeld zusammen. So entsteht eine Spannungsspitze, die die ursprünglichen 3V weit übersteigt. Diese Spannung ist entgegengesetzt der ursprünglichen  Spannung gepolt, die an L1 angelegt wurde. Darum ist die LED verpolt. Sie blitzt immer nur kurz auf, wenn der Transistor abgeschaltet wird! So kann auch eine weiße oder blaue LED, die eine Uf von mehr als 3 V hat, an zwei AAA-Batterien (und damit 3 V) betrieben werden. Einen Controller gibt es ohnehin, daher muss es keine selbstschwingende Schaltung (Joule Thief) sein, die Basis des Transistors wird einfach vom Controller angesteuert. Dabei darf die Einschaltzeit natürlich nicht zu lang sein, sonst wird L1 heiß und die Batterie leer.

Leider konnte ich das ursprüngliche Ansteuersignal für die LED nicht mehr ausmessen: ich hatte (etwas übereifrig) den zentralen Taktgeber der Platine, einen sehr nützlichen 4-MHz-Resonator, schon vorher ausgelötet und wegsortiert.

Nicht aufmerksam hingeschaut
ist der Weg schnell verbaut.
(Dietrich Drahtlos)

Weitere Beobachtungen (B.K.)

Zufällig lag genau diese Fernbedienung hier auch herum. Ich habe rausgefunden, dass sie zu einem "Digitainer" gehörte, einem Gerät zum Einscannen von Dias. Jetzt habe ich nachgemessen: Die blaue LED unter der zentralen Select-Taste wird mit ca. 15 kHz angesteuert. Und der kleine 430 MHz-Sender bekommt Impulse mit ca. 1 kHz und 50% Dauer, wobei in einer langen Reihe je nach Taste bestimmte Impulse ausfallen. So werden die Signale codiert. Die HF-Signale kann ich bei 430 MHz auf dem Spectrum Analyzer sehen.  Für die Tests habe ich nur das Mausrad zum Drehen und Drücken verwendet, weil die Gummitasten für die Messung abgenommen waren.


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