Kürzlich habe ich mir für ein
Bastelprojekt bei Pollin das "Sortiment Fernbedienungen" bestellt: 10
Stück für nicht mal einen Euro.
https://www.pollin.de/p/sortiment-fernbedienungen-800184
Enthalten waren verschiedene Ausführungen, die meisten doppelt. Eine
der Ausführungen war für mein Projekt mechanisch nicht brauchbar, daher
habe ich sie gleich mal zerlegt.
Eine erste Überraschung: Das ist ja gar keine Infrarot-Fernbedienung,
sondern eine Funkfernbedienung! Es gibt zwar ein IR-Fensterchen vorne,
es ist aber keine IR-LED verbaut. Auch Leiterbahnen für die LED sind
zwar vorhanden, die LED ist aber nicht bestückt. So genügt
offensichtlich eine Platinen- und Gehäuseversion für verschiedene
Versionen der Fernbedienung. Statt der Sende-LED war ein kleines
Funkmodul verbaut, das sich gut auslöten ließ. Die Anschlüsse waren
sogar beschriftet (Sig, GND, V+), und dem SAW-Resonator nach ist es ein
433 MHz-Sender. Optimal, das Sortiment hat sich bereits gelohnt!
Ein letzter Blick auf die nun schon recht leere Fernbedienungsplatine:
In der Mitte sitzt eine kleine 3mm-LED mit auffälliger Beschaltung,
darunter eine kleine Induktivität. Was es damit wohl auf sich hat? Ein
Joule-Thief, der sich möglicherweise wiederverwenden lässt?
Leider nicht ganz, aber schon nahe dran. Die LED ist parallel zur
Induktivität L1 geschaltet, und wird (falsch gepolt!) über einen NPN-
Transistor mit der Versorgungsspannung (3V) verbunden. Ein 3,3-Ohm-
Widerstand bremst den Strom durch die Induktivität etwas. Eine falsch
gepolte LED, wie soll das denn funktionieren? Ganz einfach: bei
durchgeschaltetem Transistor baut sich in L1 ein Magnetfeld auf. Beim
plötzlichen Abschalten bricht das Magnetfeld zusammen. So entsteht eine
Spannungsspitze, die die ursprünglichen 3V weit übersteigt. Diese
Spannung ist entgegengesetzt der ursprünglichen Spannung gepolt,
die an L1 angelegt wurde. Darum ist die LED verpolt. Sie blitzt immer
nur kurz auf, wenn der Transistor abgeschaltet wird! So kann auch eine
weiße oder blaue LED, die eine Uf von mehr als 3 V hat, an zwei
AAA-Batterien (und damit 3 V) betrieben werden. Einen Controller gibt
es ohnehin, daher muss es keine selbstschwingende Schaltung (Joule
Thief) sein, die Basis des Transistors wird einfach vom Controller
angesteuert. Dabei darf die Einschaltzeit natürlich nicht zu lang sein,
sonst wird L1 heiß und die Batterie leer.
Leider konnte ich das ursprüngliche Ansteuersignal für die LED nicht
mehr ausmessen: ich hatte (etwas übereifrig) den zentralen Taktgeber
der Platine, einen sehr nützlichen 4-MHz-Resonator, schon vorher
ausgelötet und wegsortiert.
Nicht aufmerksam hingeschaut
ist der Weg schnell verbaut.
(Dietrich Drahtlos)