2-Wege-Box: NUGGET-1 (= Goldstück !)      

von Heinz D.
                
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Im vorigen Kapitel haben Sie Breitbandboxen und ihre Grenzen kennengelernt. Heute lernen Sie ein echtes Goldstück, so groß wie zwei A4-Ordner kennen. Die ursprüngliche Entwicklung stammt von Kirchner-Elektronik, ATB-Messsysteme. Vielen Dank dafür! (http://www.kirchner-elektronik.de/de-fotos.php, hier:  photostory.pdf) Für die Baupläne und Maße unbedingt lesen: Seite 16!!!



Variante 1
Der Hochtöner ist teuer und wurde durch den Mivoc HGH258FN-II/8Ohm (ca.16€) ersetzt. Damit war die vorgeschlagene Weiche hinfällig. Auf das vorverlegen des TT wurde verzichtet, weil die Boxen hoch oben im Regal stehen. Die Gradient W130AL8/8Ohm (~20€) haben ohne Weiche einen geradlinigen Frequenzgang ab etwa 50Hz bis knapp 3kHz. Die HGH258 steigen sanft mit 10uF in Reihe bei 2kHz ein.

Wer diese Box gehört hat fragt sich, warum geht das nicht immer so einfach!

Variante 2: (Mit dem Zweiten hört man besser)



Ein Compoundsystem ab etwa 40Hz mit je zwei Mivoc WPT138. Damit die Mivoc hinein passen, wird die Innenbreite auf ca.16cm erhöht. Das Volumen steigt auf die erforderlichen ~10L. Sie sollten die Front verschrauben und gut abdichten, um an die Chassis zu kommen. Das kleine Volumen zwischen den WPT138 muss luftdicht sein, das große Volumen natürlich auch. Keine Weiche für die TT, einfach in Reihe (oder parallel) schalten. Hochtöner wie oben, es reichen jedoch 3,3 bis 4,7uF in Reihe, weil die TT bis etwa 4,5kHz wiedergeben können.

Achtung, der zweite Magnet möchte gerne die Membran des Ersten eindrücken und kaputt machen!

Falls Sie ein Compoundsystem mit BassCAD rechnen wollen, werden die Daten eines Chassis eingegeben und der Wert für Vas halbiert eingegeben. Das ist wichtig, weil das BR-Rohr sonst nicht richtig berechnet wird.



Fazit: Obwohl das Compound-Goldstück gewaltig klingt, ist es etwas leiser (-4dB). Das wundert auch nicht, weil mit zwei Antrieben nur eine Luftsäule bewegt wird. Bei Leistungserhöhung kann der Membranhub bei 40 Hz bedrohliche Ausmaße bis zur Zerstörung annehmen! (Subsonic-Filter einschalten).

In dem Mivoc-Bausatz 'SB 25 JM' (~40€, mono) sind 2x WPT138, 1x HGH258 und eine Weiche enthalten. Wem das noch zu teuer ist, kann mit etwas Glück vier bauähnliche (gleiche TSP) Raveland 130mm 12 Ohm für ~8€/Stück erwischen. Durch die Parallelschaltung werden gut passende 6 Ohm erzielt.

Alle Versuche und Messungen wurden mit einem linearen PA durchgeführt. Bitte verzichten Sie auf Geschmacksverstärker mit Nebenwirkungen (Klangregler, Loudness und Bass-Boost). Eine gute Box braucht das nicht! Anders verhält es sich mit dem Subsonic-Filter. Es stammt aus der Zeit als die Nadel noch von Hand auf die Platte gesetzt wurde. Bei DC-gekoppelten Verstärkern konnte das die Boxen als auch den Verstärker gefährden. Das Subsonic-Filter senkt den Pegel unterhalb 40Hz ab, sodass die (ohnehin kaum hörbaren) Frequenzen keine Gefährdung mehr darstellen. Falls Sie kein Subsonic-Filter eingebaut haben, können Sie zum Schutz einen (bipolaren Tonfrequenz-) Kondensator in Reihe zur BR-Box schalten:

C = 1/fgrenz/2/pi/Re; C = 1/40Hz/6,283/8Ohm = 500uF ~470-560uF.

Sie verbessern damit auch den Klirrfaktor, weil die Membran Details präziser wiedergeben kann, wenn sie nicht unnötig stark ausgelenkt ist.



Links: Gradient, rechts: Mivoc-Compound

Die Mivoc-Nugget-Compound lässt 5-10 mal so teure Fertigboxen richtig blass aussehen. Es ist einfach geil, wie sie die großen Kisten deklassiert. Bässe ab 40Hz werden mühelos in den Raum gestellt, als wäre irgendwo ein Subwoofer am Werk. Kurze Schläge bleiben kurz und schwingen nicht nach. Die Transparenz und Klarheit hoher Singstimmen ist überwältigend (wenn nicht, ggf. den Hochtöner umpolen). Ab ~50€/Stück die absolute Understatement-Box!

Als Satelliten für eine 3+1/5+1/7+1-Anlage machen Sie einen sehr guten Job, sind jedoch fast zu schade. Andere wären froh, wenn sie nur zwei davon hören dürften!

Nebenbei wurde alle mögliche Musik über einen Spektrumanalyser/-schreiber laufen gelassen. Weit weniger als 10% hatten einige Frequenzanteile unter 50Hz, unter 40Hz war es nur noch etwa 1% der Musik.

Wenn Sie Lautsprecher vergleichen, sollten Sie die Lautstärken absolut gleich laut einstellen. Andernfalls klingt der leisere immer schlechter, weil unser Gehirn bei relativ leiseren Tönen sofort und von uns völlig unbemerkt die hohen und tiefen Frequenzen zugunsten der Verständlichkeit ausblendet. Die Umschaltung sollte binnen 1s stattfinden, sonst tritt auch noch die Lautstärke-Automatik des Gehirns dazwischen und macht Vergleiche unmöglich.


Viel Spaß beim Bauen. Nächstes Mal messen Sie Ihre Lautsprecher im Wohnraum.

P.S. Hoffen Sie nicht ausschließlich auf die letzten beiden Horn-Beiträge. Je länger ich mich damit beschäftige, umso weniger empfehlenswert werden die Hörner für Wohnräume.


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